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Betreute Ferien für geistig behinderte
und/oder psychisch erkrankte
Menschen
Leitbild und
pädagogischer Hintergrund der Ferienbetreuung
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle unser
Leitbild im Bezug auf die betreuten Ferien näher bringen.
Wir halten das Erstellen eines Leitbildes für unerlässlich, beschreibt
es doch die Grundsätze, Einstellungen und Überzeugungen, die wir mit uns
und unserer Persönlichkeit in unsere Arbeit einbringen.
Wir sehen unseren theoretischen Ansatz in der Tradition jener
pädagogischen Konzepte, die Menschen mit Behinderungen auf dem Weg zu
einem möglichst eigenständigen und selbstbestimmten Leben begleiten.
Aus dem humanistischen Menschenbild heraus leitet sich der Grundsatz ab,
dass jeder Mensch das Recht auf persönliche Entwicklung seines Lebens
hat, so wie es ihm subjektiv richtig erscheint.
Grundlage dafür ist die Sichtweise, dass eine hierarchische Aufteilung
der Gesellschaft in ‚behinderte Menschen’ und die sie betreuenden
‚Professionellen’ der Vergangenheit angehört, eine Sichtweise, wie sie
schon im Normalisierungsprinzip formuliert und im Zuge der
Independent-Living-Bewegung weiterentwickelt wurde. Dort wird ebenso
gefordert, Begriffe wie die des ‚Patienten’ bzw. ‚Klienten’, die noch
der Sichtweise des Rehabilitationsparadigmas angehören, zu verwerfen.
Der Begriff ‚Kunde’ wird dem o.g. Verhältnis zwischen von Behinderung
betroffenem Menschen und Betreuer, bzw. Assistenten am ehesten gerecht,
und zwar in dem Sinne, als dass ein Kunde ein Mensch ist, der sich mit
einem bestimmten, für ihn wichtigen Bedürfnis an eine neutrale Stelle
wendet, die die Möglichkeiten hat, diesem gerecht zu werden.
Was bedeutet das aber nun für unser Projekt eines speziellen Angebots
betreuter Ferien für Menschen mit geistiger und/oder psychischer
Behinderung?
In unseren Gästen sehen wir die ‚Profis’ für die Ihnen eigenen
Bedürfnisse und Anliegen im Bezug auf ihr Leben, in diesem Falle ihre
Ferien, die sie sich entschlossen haben, bei uns zu verbringen. Welche
Ausflüge werden geplant, wie sieht die Menugestaltung für die Woche aus,
welche Interessen sollen berücksichtigt werden? In diesen und allen
anderen Fragen stehen wir unseren Gästen, bzw. Kunden assistierend zur
Seite. Kunden daher, da unser Selbstverständnis dahin geht, dass wir uns
als Dienstleister für die Bedürfnisse unserer Gäste sehen. Diese
versuchen wir auf sachlicher Ebene in Form von Unterbringung und
Verpflegung, aber vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene in Form von
Betreuung, die durch offene Zuwendung, Wertschätzung und Akzeptanz
gekennzeichnet ist, zu erfüllen.
Über den Aspekt der Dienstleistung hinaus
gibt es noch im Sinne des Empowerments den der ‚Assistenten-Rolle’ in
der dialogischen Assistenz, die ebenfalls dem Verständnis der
professionellen Dienste entspringt. Darunter verstehen wir die Übernahme
der persönlichen Assistenz aus der Arbeit mit Menschen mit einer
Körperbehinderung, allerdings unter dem Vorbehalt, als dass der
Assistent insofern in die Entscheidungsfreiheit eingreift und
stellvertretend entscheidet, wenn es um die gesundheitlichen Belange des
Wohles eines Menschen mit geistiger und/oder psychischer Behinderung
geht. Bespiel kann der Konsum von Alkohol bzw. Nikotin sein oder auch
die Einnahme von Medikamenten. In diesen und ähnlichen Fragen handeln
wir im Sinne des den Ferien vorausgegangenen Austauschs mit der
Institution, in der unser Gast seinen ständigen Wohnsitz hat.
Im übrigen können auch von dieser Seite bei uns ‚Bedürfnisse’ angemeldet
werden, z.B. wenn der Aufenthalt bei uns an eine bestimmte Zielsetzung
geknüpft sein soll wie der der Aufbrechung bestimmter Verhaltensmuster
und ähnlichem.
Zum Schluss noch eine, wie wir finden sehr gute und zutreffende
Definition von Paul Miles für den Begriff des Selbstbestimmten Lebens in
einem Artikel der Zeitschrift ‚Die Randschau’ aus Deutschland (5.Jg.,
Heft 4/5/1990, S. 17-18): ‚Selbstbestimmtes Leben von Behinderten
bedeutet die Kontrolle über das eigene Leben, die auf einer Auswahl
akzeptablen Möglichkeiten basiert, die die physischen und psychischen
Abhängigkeiten von anderen minimieren.
Akzeptable Möglichkeiten sind dann gegeben, wenn die Grundsätze der
grösstmöglichen Integration in das Leben der Gemeinde, der
Entmedizinierung, der Anti-Diskriminierung und der grösstmöglichen
KonsumentInnenkontrolle gewährleistet sind.’
In der
Hoffnung, Ihr Interesse geweckt und Ihnen nicht zu viel Zeit durch zu
viele Informationen gleich zu Beginn gestohlen haben, stehen wir Ihnen
für offene Fragen jederzeit gern zur Verfügung |